Blog & Impulse- Systemische Beratung und persönliche Entwicklung

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Hier teile ich Gedanken, Erfahrungen und Impulse aus meinem Alltag, meinem Leben und den Begegnungen mit Menschen

15.06.2026

 

Selbstliebe ist ein Ja zu Dir selbst.

Selbstfürsorge - Liebe Dich selbst, dann wird alles gut?
 

 

 

Aber um auf den Titel zurückzukommen: 

Wird wirklich alles gut, nur weil ich mich selbst liebe?

Zumindest nicht automatisch.

 

Sicherlich ist Selbstliebe ein wichtiger Baustein. Für mich gehört jedoch noch mehr dazu. 

Was ich aber wichtig finde, ist etwas anderes: die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, erkennen und ernst nehmen. 

Denn genau die gehen im Alltag oft verloren oder werden von anderen Dingen überlagert. 

Kaum sind wir aus dem Urlaub zurück, verfallen viele von uns nach kurzer Zeit wieder in alte Muster. 

  • Wir funktionieren.
  • Wir reagieren.
  • Wir kümmern uns.
  • Wir sind wieder bei den Gefühlen, Gedanken und Themen anderer Menschen.

Bis uns eine innere Unruhe erfasst.

Zumindest ist das bei mir der Fall. 

Lange habe ich gedacht, dass diese Unruhe von außen ausgelöst wird. Das wird sie sicherlich auch zum Teil. Heute glaube ich jedoch, dass sie oft daher rührt, dass ich Dinge tue, die mir eigentlich nicht guttun. 

Zum Beispiel:

  • Ich stelle bei der Arbeit meine Mittagspause nach hinten.
  • Ich beantworte noch schnell eine Frage
  • Ich versuche, Unzufriedenheit, Bedarfe oder schlechte Stimmung aufzufangen, die eigentlich gar nichts mit mir zu tun haben. 

Auf wessen Kosten eigentlich?

Auf meine.

Nicht, weil andere Menschen, etwas falsch machen. Sondern weil ich mich selbst immer wieder nach hinten schiebe.

Vielleicht liegt genau dort der Anfang von Selbstfürsorge.

Nicht bei der großen Selbstliebe. 

Sondern bei der Frage:

Wo bleibe ich eigentlich? 

Wo beginnt meine Selbstfürsorge?

Und genau deshalb frage ich mich inzwischen öfter:

Was brauche ich gerade? 

Was würde mir guttun? 

Manchmal sind es gar nicht die großen Dinge.

  • Vielleicht ein Kaffee
  • Vielleicht ein Stück vegane Buttercremetorte
  • Vielleicht ein Lachen von einem Menschen- einfach so
  • oder der Wind im Gesicht. 

Die einfachsten Dinge machen mich oft am glücklichsten. Das empfinde ich als großes Geschenk. 

Überhaupt geht es dabei gar nicht um die Dinge selbst.

Ich finde, Selbstfürsorge muss nicht immer was "Großes" sein. 

Ich glaube, sie beginnt genau dort, wo wir uns selbst wieder wahrnehmen - insbesondere in den kleinen Momenten des Alltags.

Wir sollten uns öfter fragen: 

Wie geht es mir eigentlich gerade?

Was brauche ich in diesem Moment?

Wo beginne ich, gut für mich zu sorgen?

 

In diesem Sinne

Yamu 

 

 

Darf ich mich über die Hitze beschweren?

28.06.2026

Meine Antwort lautet: Ja. 

 

Im Moment begegnen mir in den sozialen Medien immer wieder Beiträge die dazu auffordern, sich nicht zu beschweren, sondern die Situation anzunehmen oder das Positive zu sehen. 

Im Alltag fällt mir außerdem auf, wie schnell wir uns selbst korrigieren. Kaum sprechen wir eine Belastung aus, folgt oft der Satz: "Ich möchte ja nicht klagen."

Ich frage mich: Warum eigentlich nicht? 

Hitze ist eine reale Belastung. Menschen und Tiere reagieren sehr unterschiedlich darauf. 

Ältere Menschen, Kinder, Schwangere, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Menschen die körperlich arbeiten oder sich stark konzentrieren müssen, erleben diese Tage oft ganz anders als andere.

Wenn ich sage: "Mir ist zu heiß." oder "Ich leide unter der Hitze.", macht mich das nicht zu einem negativen Menschen. Es beschreibt lediglich meine aktuelle Realität. 

Gefühle und Belastungen müssen nicht sofort positiv umgedeutet werden. Manchmal reicht es, wenn jemand sagt: 

"Ja, das kann ich gut verstehen. Mir geht es nicht anders" 

Oft ist genau das entlastend. Nicht, weil das Problem dadurch verschwindet, sondern weil wir merken: Wir sind mit unserem Erleben nicht allein. 

Vielleicht dürfen wir auch einfach klagen. 

Erst wenn ich anerkennen darf, dass mich etwas belastet, entsteht Raum für die nächste Frage: 

Was brauche ich gerade?

Vielleicht beginnt genau dort Selbstfürsorge.

 

In diesem Sinne

Yamu 

 

 

Warum fällt es manchen Menschen so schwer, Grenzen zu akzeptieren?
 

11.07.2026

Neulich habe ich eine Situation erlebt, die mich nachdenklich gemacht hat.

 

Ich hatte vor einem Besuch bereits per Nachricht angekündigt, dass ich nur kurz bleiben kann. Als ich ankam, habe ich es noch einmal gesagt: "Ich kann heute nicht lange bleiben." 

 

Ich habe das bewusst vorher angekündigt, weil ich ähnliche Situationen bereits mehrfach erlebt habe.

Ich hatte Erdbeeren mitgebracht. Wir haben uns unterhalten. Als ich gehen wollte, musste ich mehrmals wiederholen, dass ich jetzt wirklich losmuss. Ich wollte gar keine neuen Gespräche mehr beginnen, weil ich merkte, dass sich mein Abschied immer weiter hinauszögerte. 

 

Irgendwann entstand in mir eine angespannte Unruhe. Nicht weil ich ursprünglich früher gehen wollte, sondern weil meine Grenze erst nach mehreren Erklärungen akzeptiert wurde.

 

Warum reicht ein freundliches "Ich muss jetzt leider gehen" manchmal nicht aus? 

Warum muss eine Entscheidung immer wieder erklärt oder begründet werden?

 

Natürlich kann der Wunsch, dass jemand noch bleibt, Wertschätzung ausdrücken. 

 

Für mich bedeutet Wertschätzung auch, die Grenze eines anderen Menschen anzunehmen - ohne zu überreden, ohne Schuldgefühle zu erzeugen und ohne immer neue Erklärungen einzufordern. 

 

Ich bin nicht dafür verantwortlich alle Erwartungen und Wünsche anderer Menschen zu erfüllen.

 

Eine Grenze wird nicht erst dadurch gültig, dass sie immer wieder erklärt wird. 

 

Und wenn ich gehen darf, dann komme ich auch freiwillig gerne wieder.

 

"Du bist doch an die Hitze gewöhnt."
 

18.07.2026

Nein, bin ich nicht. 

Ich bin in Frankfurt am Main geboren und aufgewachsen. Meine kulturellen Wurzeln bedeuten nicht automatisch, dass ich Hitze besser vertrage oder an hohe Temperaturen gewöhnt sein müsste. 

 

Und trotzdem wird genau das manchmal angenommen. 

 

Mittlerweile höre ich diesen Satz nicht nur von Menschen, die mich kaum kennen. Er begegnet mir auch in meinem näheren sozialen Umfeld. Oft ist dieser Satz vermutlich gar nicht "böse" gemeint. Möglicherweise steckt dahinter die Vorstellung, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft an Hitze gewöhnt sein müssten. Denn in diesem Moment werde ich nicht gefragt, wie es mir mit der Hitze geht. Es wird angenommen, wie es mir gehen müsste. 

 

Ich empfinde solche Aussagen als Zuschreibung und ich komme in "Erklärungsnot". 

 

Manche Menschen würden solche Aussagen auch als alltagsrassistisch bezeichnen. Nicht jeder Mensch, der diesen Satz sagt, möchte mich abwerten, verletzen oder in eine Schublade stecken. Aber gut gemeint bedeutet nicht automatisch, dass eine Aussage auch gut empfunden wird. Kulturelle Wurzeln sagen nichts darüber aus, wie ein Mensch Hitze empfindet oder körperlich verträgt. 

 

Manche Menschen lieben hohe Temperaturen. Andere fühlen sich schon bei deutlich niedrigeren Temperaturen erschöpft. Und manche erleben Hitze aufgrund von Erkrankungen, Medikamenten oder ihrer persönlichen körperlichen Verfassung noch einmal ganz anders.

 

Ich persönlich bin nicht an diese Hitze gewöhnt. 

 

Und ich möchte auch nicht erst erklären müssen, warum das so ist. 

 

Ich persönlich würde mich über die Frage: "Wie geht es Dir mit der Hitze?" wesentlich wertgeschätzter fühlen. 

 

In diesem Sinne

Yamu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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